Freie und Open-Source-Software

Ein bedeutsamer (historischer) Bezugspunkt ist die FLOSS-Bewegung, wenn es um aktuelle Formen der Kollaboration geht. FLOSS steht für Free/Libre Open Source Software und fasst verschiedene divergierende Auffassungen von Softwareentwicklung und -veröffentlichung zusammen.

Freie Software

Richard Stallmann kann zu den einflussreichsten Akteuren dieser Bewegung gezählt werden, und heute beziehen sich noch viele Programmier_innen und Wissenschaftler_innen in ihrem Handeln auf den Programmierer und Philosophen, wenn es um Open Access, Open Science und Open-Source-Software geht.

Als Wissenschaftler am MIT arbeitete Stallmann in den 1970er Jahren in einer Arbeitsgruppe, die selbstverständlich alle Informationen und wissenschaftliche Ergebnisse miteinander teilte. Stallmann war davon überzeugt, dass Programme und Daten allen zugänglich sein sollten. Verschiedene Ereignisse, die Sam Williams (2002) zusammengetragen hat, machten ihn zu einem vehementen Kämpfer für Freie Software. So war es vornehmlich die künstliche Verknappung von Softwarequelltexten, die Stallmann das GNU-Projekt initiieren ließen. Zudem verfasste er die GPL, die die Idee des Copyleft in die Form einer Lizenz brachte. Denn große Unternehmen wie XEROX und AT&T waren es, die anfingen, Software nur noch binär auszuliefern, sodass weder das Lernen aus den Programmen noch das Verändern ihrer Funktion möglich war.

Die Bedeutung von Stallmann für die Kollaboration

Vor dem Hintergrund der zweiseitigen Wortbedeutung von Kollaboration ist Richard Stallmann eine interessante Figur. Er wendete sich nicht nur protestierend gegen die Veränderungen in der IT-Landschaft seiner Zeit, sondern ersann einen Gegenentwurf, den er mit dem GNU-Projekt aktiv umsetzte. Es bildete sich eine Form der Zusammenarbeit in der positiven Bedeutung von Kollaboration heraus.

Die ganze Geschichte von FLOSS

Die Geschichte der FLOSS-Bewegung versammelt neben Richard Stallmann zahlreiche weitere Akteur_innen, die nicht minder wichtig sind, auf die aber im Rahmen dieses Workshops nicht weiter eingegangen werden kann. Die Literaturhinweise enthalten einige Texte zum Einstieg.

Wichtig ist hier vielleicht noch zu erwähnen, dass der Begriff Open Source auf Eric S. Raymond zurückgeht, der die wirtschaftlichen Vorteile der Kollaboration bei der Softwareentwicklung erkannte, den Begriff Free Software aber zu ideologisch fand. In seinem Buch The Cathedral and the Bazaar erzählt Raymond (1999) die Geschichte der Bewegung aus seiner Sicht. Wie 2018 bekannt wurde, war es nicht Raymond, der den Begriff erfand, sondern Christine Peterson, die einem entscheidenden Treffen 1998 “Open Source” in die Diskussion einbrachte (vgl. Peterson, 2018)

Referenzen

  • Berners-Lee, T. (1999). Weaving the Web: The Original Design and Ultimate Destiny of the World Wide Web by Its Inventor. (M. Fischetti, Hrsg.) (1. ed.). San Francisco, Calif. u.a.: HarperSanFrancisco [u.a.].
  • Peterson, C. (2018, Februar 1). How I coined the term „open source“. Opensource.com. Zugriff am 12.2.2019. Verfügbar unter: https://opensource.com/article/18/2/coining-term-open-source-software
  • Raymond, E.S. (1999). The Cathedral & the Bazaar: Musings on Linux and Open Source by an Accidental Revolutionary (1. Auflage). Beijing ; Cambridge, Mass: O’Reilly.
  • Torvalds, L. & Diamond, D. (2003). Just for fun: wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte. Die Biographie des Linux-Erfinders (dtv) (3. Aufl., ungekürzte Ausg.). München: Dt. Taschenbuch-Verl.
  • Williams, S. (2002). Free as in Freedom: Richard Stallman’s Crusade for Free Software. Sebastopol, Calif. : Farnham: O’Reilly. Zugriff am 4.2.2017. Verfügbar unter: http://www.oreilly.com/openbook/freedom/index.html